Spezielle Analysen/Funktionsteste

In diesem Bereich haben wir Ihnen eine Auswahl spezieller Analysen und Funktionsteste zusammengestellt. 

 

Nachfolgend gelangen Sie direkt zu den einzelnen Themen:


 

Tumormarker – Sinnvoller Einsatz

Dexamethason-Hemmtest (Low Dose)

Dexamethason-Hemmtest (High Dose)

Synacthen-Stimulationstest (Cortisol nach ACTH)

Oraler Glucose-Toleranztest

Lactoseintoleranztest (bei sekundärem Lactasemangel)

 

Tumormarker – Sinnvoller Einsatz

Als Tumormarker werden Proteine bezeichnet, die von Tumorzellen, aber auch von normalen Zellen sezerniert werden und in geringer Konzentration im Serum nachgewiesen werden können. Tumormarker sind bis auf wenige Ausnahmen (PSA) wegen mangelnder Sensitivität und Spezifität für Screeningzwecke nicht geeignet. Ihre Indikation liegt hauptsächlich im Therapiemonitoring und in der Rezidivkontrolle. Bitte beachten Sie bei der Verlaufskontrolle, dass die Referenzbereiche testspezifisch und daher die Resultate von Labor zu Labor unterschiedlich sind (ggf. überlappend testen).

 

In der Tabelle wird der sinnvolle Einsatz von Tumormarkern bei verschiedenen Tumorarten (alphabetisch geordnet) beschrieben:

 

Tabelle Tumormarker

 Tumor

 Tumormarker 1. Wahl

 Tumormarker 2. Wahl

 Bronchialkarzinom, nicht kleinzellig                

- CYFRA 21-1
- SCC                             

 CEA

 Bronchialkarzinom, kleinzellig

 NSE

 CEA

 Endometriumkarzinom

 CA 125

 CEA

 Gallenwegskarzinom

 CA 19-9

 –

 Hodentumor

- HCG
- AFP

 –

 Karzinoid

 5-Hydroxyindolessigsäure

 - NSE
 - Chromogranin A

 Keimzelltumor

- AFP
- HCG

 –

 Kolon-, Rektumkarzinom

 CEA

 CA 19-9

 Lebermetastasen

 CEA

 –

 Leberzellkarzinom

 AFP

 –

 Magenkarzinom

 CA 19-9

 CEA

 Mammakarzinom

 CA 15-3

 CEA

 Multiples Myelom

 - Eiweisselektrophorese
 - Immunfixation
 - Freie Leichtketten
 - β2-Mikroglobulin

 –

 Neuroblastom, Phäochromozytom

 - Katecholamine
 - Metanephrine

 - Vanillinmandelsäure
 - Chromogranin A
 - NSE

 Ösophaguskarzinom

 SCC

 - CEA
 - Cyfra 21-1

 Ovarialkarzinom

 - CA 125
 - HE4 (ROMA)

 –

 Pankreaskarzinom

 CA 19-9

 CEA

 Prostatakarzinom

 PSA

 –

 Schilddrüsenkarzinom, medullär

 Calcitonin

 –

 Schilddrüsenkarzinom, follikulär, papillär

 Thyreoglobulin

 –

 Zervixkarzinom

 SCC

 - CEA
 - CA 125

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Dexamethason-Hemmtest (Low Dose)

Dexamethason-Hemmtest kurz (2mg Dexamethason Einmaldosis)

 

Indikation:

Prüfung der Nebennierenrinden-Funktion bei erhöhtem Serumcortisol-Spiegel zur Diagnose des Cushing-Syndroms.

Prinzip:              

Dexamethason unterdrückt die ACTH-Freisetzung im Hypophysen-Vorderlappen und indirekt die Cortisolproduktion in der Nebennierenrinde. Gemessen wird das Serumcortisol vor und nach einer Dexamethason-Gabe.                            

Vorgehen:

Morgens um 08.00 Uhr erfolgt die erste Blutentnahme beim nüchternen Patienten für die Bestimmung des Cortisol-Basalwertes. Am gleichen Abend um 23.00 Uhr werden 2mg Dexamethason (z.B. Fortecortin®) p.o. verabreicht. Am nächsten Morgen um 08.00 Uhr wird eine zweite Blutentnahme durchgeführt.

Versand:

Beide Röhrchen (mit mindestens je 1ml Serum) sollen, gut lesbar als „Basalwert“ und „nach Dexamethason“ und mit dem Entnahme-Datum gekennzeichnet, zusammen mit dem gemeinsamen Auftragsformular eingeschickt werden.  Auf dem Formular müssen die Analysen Cortisol (7-9 h) und Cortisol (supp.) markiert werden.

Bewertung:

Ein Serumcortisolspiegel in der zweiten Probe von weniger als 80nmol/l schliesst einen M. Cushing aus. Eine fehlende oder zu geringe Suppression spricht für das Vorliegen eines Cushing-Syndroms ohne dass zur Differentialdiagnose eine Aussage möglich ist. Die Indikation zu einem Dexamethason-Hemmtest mit 8mg Cortisol (High-Dose) ist damit gegeben.

Wichtig:

Bitte entnehmen Sie Anwendungseinschränkungen der Dexamethason-Packungsbeilage.

 

 

Dexamethason-Hemmtest lang (2mg Dexamethason/24h)

 

Bei diesem Test werden 0.5mg Dexamethason alle sechs Stunden (2mg/24h) über zwei Tage verabreicht. Am Morgen des dritten Tages um 08.00 Uhr erfolgt die zweite Blutentnahme für eine Cortisol-Bestimmung.
Indikation, Prinzip, Versand, Bewertung: Siehe oben.

Dexamethason-Hemmtest (High Dose)

Dexamethason-Hemmtest kurz (8mg Dexamethason Einmaldosis)

 

Indikation:

Fehlende oder zu geringe Suppression im Dexamethason-Hemmtest (Low Dose), Differentialdiagnose eines Cushing-Syndroms.

Prinzip:              

Dexamethason unterdrückt die ACTH-Freisetzung im Hypophysen-Vorderlappen und indirekt die Cortisolproduktion in der Nebennierenrinde. Gemessen wird das Serumcortisol vor und nach einer Dexamethason-Gabe.                           

Vorgehen:

Morgens um 08.00 Uhr erfolgt die erste Blutentnahme beim nüchternen Patienten für die Bestimmung des Cortisol-Basalwertes. Am gleichen Abend um 23.00 Uhr werden 8mg Dexamethason (z.B. Fortecortin®) p.o. verabreicht. Am nächsten Morgen um 08.00 Uhr wird eine zweite Blutentnahme durchgeführt.

Versand:

Beide Röhrchen (mit mindestens je 1ml Serum) sollen, gut lesbar als „Basalwert“ und „nach Dexamethason“ und mit dem Entnahme-Datum gekennzeichnet, zusammen mit dem gemeinsamen Auftragsformular eingeschickt werden. Auf dem Formular müssen die Analysen Cortisol (7-9h) und Cortisol (supp.) markiert werden.

Bewertung:

Eine Unterdrückung des Serumcortisols um mindestens 50% spricht für eine hypothalamische oder hypophysäre Ursache der Cushing-Symptome. Eine fehlende Suppression spricht für ein Cushing-Syndrom mit Nebennierenrinden-Autonomie oder autonomer ACTH-Überproduktion (ektopisch, da eine hypophysäre ACTH-Überproduktion in der Regel hemmbar ist). Ursächlich sind NNR- oder ACTH-produzierende Tumore in Betracht zu ziehen.

Wichtig:

Bitte entnehmen Sie Anwendungseinschränkungen der Dexamethason-Packungsbeilage.

 

 

Dexamethason-Hemmtest lang (8mg Dexamethason/24h)

 

Bei diesem Test werden 2mg Dexamethason alle sechs Stunden (8mg/24h) über zwei Tage verabreicht. Am Morgen des dritten Tages um 08.00 Uhr erfolgt die zweite Blutentnahme für eine Cortisol-Bestimmung.
Indikation, Prinzip, Versand, Bewertung: Siehe oben.

Synacthen-Stimulationstest (Cortisol nach ACTH)

 

Indikation:

Prüfung der Nebennierenrinden-Funktion: Bei Verdacht auf NNR-Insuffizienz (M. Addison), Cushing-Differentialdiagnostik.

Prinzip:              

Synacthen® ist ein Polypeptid mit den gleichen physiologischen Eigenschaften wie ACTH. Es stimuliert in der NNR die Synthese von Corticosteroiden und Androgenen. Gemessen wird der Anstieg des Serum-Cortisolwertes nach Synacthen-Applikation.                         

Vorgehen:

Morgens um 08.00 Uhr erfolgt die erste Blutentnahme beim nüchternen Patienten für die Bestimmung des Cortisol-Basalwertes. Anschliessend wird eine Ampulle à 0.25mg Synacthen® intravenös verabreicht. Genau 60 Minuten später folgt eine zweite Blutentnahme.

Versand:

Beide Röhrchen (mit mindestens je 1ml Serum) sollen, gut lesbar als „Basalwert“ und „nach Synacthen“ und mit dem Entnahme-Datum gekennzeichnet, zusammen mit dem gemeinsamen Auftragsformular eingeschickt werden. Auf dem Formular müssen die Analysen Cortisol (7-9h) und Cortisol (stim.) markiert werden.

Bewertung:

Ein Anstieg des Cortisols im Serum auf >550nmol/l 60 Minuten nach ACTH-Injektion, schliesst mit hinreichender Sicherheit eine NNR-Insuffizienz aus. Als normal wird auch ein Anstieg des Cortisol-Basalwertes um 200nmol/l angenommen. Fehlender oder nur geringer Cortisol-Anstieg spricht für das Vorliegen einer primären (M. Addison) oder sekundären NNR-Insuffizienz. Eine Differenzierung kann durch mehrtägige Synacthen-Gabe erreicht werden, da bei sekundärer (hypophysärer) NNR-Insuffizienz die Stimulierbarkeit zunimmt.

Wichtig:

Bitte beachten Sie die präparatbedingten Anwendungseinschränkungen. Eine bestehende oder erst kurz zuvor abgesetzte Steroid-Therapie kann zu einer fehlenden oder reduzierten Stimulierbarkeit führen.

 

 

Oraler Glucose-Toleranztest

 

Indikation:

Bestätigung oder Ausschluss eines Diabetes mellitus, bzw. einer gestörten Glucosetoleranz.

Prinzip:              

Nach oraler Glucosebelastung wird der Glucose-Wert kontrolliert. Erhöhte Werte weisen auf eine gestörte Homöostase hin.                        

Vorgehen:

Die erste venöse Blutentnahme wird  beim nüchternen Patienten durchgeführt (Fluorid-Blut oder Serum für Glucose-Basalwert-Messung). Anschliessend folgt eine Belastung mit 75g Glucose peroral, aufgelöst in 300ml Wasser. Zwei Stunden später erfolgt die zweite Blutentnahme (Fluorid-Blut oder Serum). Während dieser Zeit darf der Patient nicht essen, trinken oder rauchen und sollte keine intensive körperliche Arbeit verrichten.
Beim Screening des Gestationsdiabetes (GDM) wird der Glucose-Toleranztest zwischen der 24. und 28. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Die Belastung erfolgt ebenfalls mit 75g Glucose. Es soll aber zusätzlich eine Blutentnahme nach einer Stunde erfolgen.

Versand:

Alle Röhrchen sollen, gut lesbar als „Basalwert“ und „2.Stunde“ (plus evtl. „1.Stunde“) und mit dem Entnahme-Datum gekennzeichnet, zusammen mit dem gemeinsamen Auftragsformular eingeschickt werden. Auf dem Formular muss die Analyse Glucose-Belastung (0/2h) markiert werden. Fluoridblut oder Serum einsenden (kein Nativ-Vollblut!).

Bewertung:

Gemäss folgender Tabelle kann eine Einteilung gemacht werden:


Diabetes mellitus
Nüchtern-Blutzucker: ≥7.0 mmol/l

oder 2h nach 75g Glucose p.o.: >11.1 mmol/l

Verminderte Glucosetoleranz
Nüchtern-Blutzucker: ≥6.1 < 7.0 mmol/l

und 2h nach 75g Glucose p.o.: >7.8 < 11.1 mmol/l

Diabetes mellitus ausgeschlossen
Nüchtern-Blutzucker: ≤6.1 mmol/l

und 2h nach 75g Glucose p.o.: <7.8 mmol/l


Beim Screening des Gestationsdiabetes gelten gemäss Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe folgende Grenzwerte:

Gestationsdiabetes

Nüchtern-Blutzucker: ≥ 5.1 mmol/l
oder 1h nach 75g Glucose p.o.: ≥10.0 mmol/l
oder 2h nach 75g Glucose p.o.: ≥8.5 mmol/l

Wichtig:

Für Kinder beträgt die Belastungsmenge 1.75g/kg Körperge- wicht, maximal jedoch 75g Glucose.

 

 

Lactoseintoleranztest (bei sekundärem Lactasemangel)

 

Indikation:

Die nachfolgenden Indikationen sind abzuzuklären:

  • Nach Ernährung mit Milch und Milchprodukten: Meteorismus, Durchfall, Flatulenz
  • Verdacht auf Lactosemalabsorption nicht hereditärer Genese (infolge Schädigung der Dünndarmmucosa)
  • Ausschluss einer Lactosemalabsorption beim Colon irritabile
  • Nach Ausschluss einer hereditären, primären Lactoseintoleranz (Genotyp LCT-13910)
 

Prinzip

Das Enzym Lactase in der Dünndarmschleimhaut spaltet das Disaccharid Lactose in die beiden Monosaccharide Glucose und Galactose. Diese werden resorbiert und führen zu einem Anstieg der Glucose-Konzentration im Blut. Bei verminderter Lactaseaktivität bleibt der Glucoseanstieg aus.

Vorgehen:

Folgende Schritte sind beim Lactoseintoleranztest zu beachten:

  • Bestimmung des Nüchtern-Blutzuckers (kapilläre oder venöse Blutentnahme, Fluoridblut oder Serum)
  • Orale Gabe von 50g Lactose in 400ml Wasser (Erwachsene), bzw. 2g/kg Körpergewicht (Kinder)
  • Blutentnahme nach 30, 60, 90 und 120 Minuten zur Blutzuckermessung (kapilläre oder venöse Blutentnahme, Fluoridblut oder Serum; Röhrchen entsprechend beschriften mit 30, 60, 90, 120 Minuten sowie mit dem Entnahme-Datum).

Während der ganzen Zeit des Lactoseintoleranztests darf der Patient nicht essen, trinken oder rauchen und sollte keine intensive körperliche Arbeit verrichten.

Versand:

Das Serum oder das Fluoridblut soll so rasch als möglich zur Glucosebestimmung ins Labor eingesandt werden. Bitte kein Nativ-Vollblut einschicken, der Test kann daraus nicht durchgeführt werden. 

Bewertung:

Anstieg der Serum-/Plasma-Glucose ausgehend vom Nüchtern-Wert:
> 1.7 mmol/l normale Lactosetoleranz
1.1 - 1.7 mmol/l fragliche Lactosetoleranz
< 1.1 mmol/l ungenügende Lactosetoleranz

Wichtig:

Orale Belastungstests, dazu gehört auch der Lactoseintoleranz-Test, können unkontrollierbaren Einflüssen unterliegen. In etwa einem Viertel der Fälle kommt es nach Lactosebelastung trotz normaler Lactaseaktivität zu einem abgeflachten Glucoseprofil.

 

 

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